Umbauanleitung für CLIP an der Speed Dragon
Vorwort
Die Speed Dragon unterstützt serienmäßig kein CLIP an den
analogen Anschlüssen.
Es ist jedoch mit Hilfe eines einfachen Widerstandes möglich eine
CLIP Message manuell zu senden, die auch am (CLIP fähigen) Telefon
ankommt und angezeigt wird. Diese Tatsache war der Anreiz für dieses
Projekt. Mit einigen Hardwareänderungen lässt sich die
Speed Dragon zu einer CLIP-fähigen ISDN-Anlage ausbauen !
Für die allgemeine Verständnis sind Grundlagen der Elektrotechnik
beim Leser dieser Anleitung sehr von Vorteil.
Es muß auch noch etwas klargestellt werden, wie bei allen unseren
Anleitungen gilt auch hier:
ANWENDUNG AUF EIGENE GEFAHR ! Wir übehnemen keinerlei Haftung
für Schäden die durch die Anwendung dieser Anleitung entstehen
können. So, dann kann es jetzt losgehen...
Was ist CLIP ?
CLIP
(engl.
calling line identification presentation) ist
ein Feature, das dem Angerufenem erlaubt die Nummer des Anrufers zu sehen.
Die Speed Dragon bietet diese Funktion nur auf dem eingebauten Display
an. Bisher war diese Funktion nur reinen ISDN Telefonen vorenthalten. Es
gibt mittlerweile auch analoge Telefone die diese Funktion unterstützen.
Diese wurden in der letzten Zeit immer populärer. An analogen Telefonen
funktioniert CLIP jedoch ein wenig anders als an den ISDN Geräten.
Dies ist bedingt durch die verwendete Technologie.
Wie funktioniert CLIP ?
An ISDN wird die CLIP Information in digitaler Form über den D-Kanal
übertragen. Die Auswertung übernimmt ein Prozessor des ISDN Gerätes,
der ohne propriertären CLIP Hardware die Information direkt auswerten
und auf dem Display anzeigen kann.
In der analogen Telefonie können keine digitalen Signale übertragen
werden, so daß hier ein Umweg nötig ist.
CLIP an den analogen Telefonen wird in Form eines mit FSK
(frequency
shift keying) modulierten Bursts zwischen den beiden ersten Klingelzeichen
übertragen. Dieser Burst erfordert eine zusätzliche Hardware,
die die Signalverarbeitung übernimmt. Die Hardware ist sowohl an der
Sende- (Tk-Anlage) als auch an der Empfängerseite (Teefon) notwendig.
Damit die Übermittlung auch klappt, sollte die Software diese Hardware
auch nutzen.
Im Bezug auf die Speed Dragon fängt hier das erste Problem an.
Die Software der Speed Dragon
Bei der Speed Dragon, bietet die Firmware erst ab Version 3.20 die Softwarefunktionen
für CLIP
(siehe letzter Abschnitt "Bemerkungen"). Nun, diese
Firmware wurde eigentlich für die neue Power Dragon von Hagenuk (Funktionsberschreibung
siehe
http://www.hagenuk.de/) entwickelt,
so, daß die neuen CLIP Funktionen bei der Speed Dragon aufgrund der
mangelden CLIP-fähigen-Hardware keine Verwendung finden. Alle CLIP-Routinen
lassen sich auch nur vom System Monitor aus benutzen.
Die Hardware der Speed Dragon
Speed Dragon setzt sich im wesentlichen aus einem ARM 32-bit RISC Prozessor,
Speicher (RAM für den Betrieb, FlashROM für die Firmware
und I²C EEPROM für die Konfiguration), UART Baustein (mit dazugehörigen
TTL-RS232 Wandler), 3 PCM CODECs
(puls code modulation coder-decoder)von
Motorola mit der Bezeichnung
MC14LC5480,
die als A/D udn D/A Wandler dienen und 3 SLICs
(subscriber line interface
circuit) mit der nichtssagenden Aufschrift HG169, die das Handling
der a/b-Leitungen (Telefonleitungen) übernehmen.
Um die CLIP Message abzusenden werden ähnlich der Sprache digitale
Daten zum CODEC geschickt und zwar zwischen den ersten beiden Klingelzeichen.
Der CODEC wandelt diese Daten in ein analoges Signal um und gibt es analog
zum SLIC weiter.
Bis dahin ist der Signalweg bei der Speed Dragon CLIP-fähig, dh.
es steht hardwaretechnisch nichts im Wege eine CLIP-Information zu verschicken.
Nun kommt die analoge Nachricht zum SLIC. Dieser Baustein, der bei der
Speed Dragon die Bezeichnung HG169 trägt, wird von
SiMi
(Sillicium Microelectronic Intergration GmbH) hergestellt und trägt
dort die Bezeichnung
TFB3869T.
Wie funktioniert der SLIC ?
Der SLIC TFB3869T (im folgeden einfach SLIC genannt) ist von seiner Funktionsweise
mit einer Konstantstromquelle vergleichbar, dh. er versucht immer einen
festgelegten Strom in der Schleife (a/b Leitung) zu halten. Schwankungen
und Veränderungen werden durch die Veränderung der angelegten
Spannung ausgeglichen. Dieser Strom wird Schleifenstrom genannt und wird
durch einen Widerstand am RSET Anschluss (Pin 3) an Masse des Bausteins
bestimmt
(Einzelheiten siehe Datenblatt). Wird die Spannung zwischen
La und Lb um 5V niedriger als die Betriebspannung
(Schleifenbedingung
lt Datenblatt: UAus = Ubat -
5V) wird die Schleife als erkannt gemeldet und am SLICs LD
(loop
detect) Ausgang (Pin 7) mit einem HIGH Pegel signalisiert. Durch die
Modulierung der Schleifenstromeinstellung mit dem analogen Signal erreicht
man eine Spannungsänderung am Ausgang
(UAusgang=RTelefon*
ISchleiffe)
die dem zu übertragenem Signal
entspricht.
Ist der Hörer aufgelegt, wird im Telefon ein Kondensator in Reihe
zu der a/b Leitung geschaltet und das Telefon stellt damit keinen ohm´schen
Widerstand dar, Folge -> kein Gleichstromfluß möglich. Da der
SLIC immer seinen eingestellten Strom konstant halten will, würde
er versuchen den unendlich großen Widerstand zu überwinden in
dem er theoretisch eine unendlich hohe Spannung einstellr. In der Praxis
ist die maximal erreichbare Spannung jedoch durch die Schleiffenspannung
(Ubat) begrenzt. Für den SLIC beträgt diese ca. -22V. Dadurch
ergibt sich an der a/b Leitung eine Leerlaufspannung (zwischen La und Lb)
in Höhe von ca. 22V. Unter dieser Voraussetzung würde sich eine
Strommodulationen keine Wirkung zeigen, denn wenn keine ohm'sche Last vorhanden
ist, kann kein Gleichstrom fließen und damit kann auch der auch nicht
moduliert werden.
Wir jetzt der Hörer abgenommen, schaltet das Telefon intern einen
ohm´schen Widerstand an die a/b-Leitung. Der beträgt in der
Regel ca. 600 Ohm. Der SLIC versucht den vorgegebenen Schleifenstrom einzustellen
und senkt jetzt die Spannung auf einen Wert, der laut des ohm'schen Gesetzest:
U=600Ohm*20mA= 12V beträgt. Diese Spannung schwankt vom Telefon zu
Telefon, je nach dem inneren Widerstand der Geräte. Wenn die Schleifenbedingung
erreicht wird (Ua/b = Ubat -
5V), wird das Vorhandensein der Schleife (dh. ein Verbraucher ist aktiv)
dem Prozessor gemeldet, der initiiert alles weitere damit die Interaktion
beginnen kann. Da jetzt ein ohm'scher Wirderstand in die Schleife geschaltet
ist, kann der Strom jetzt moduliert werden und sich damit in einer Spannungsänderung
auswirken. Nur in diesem Zustand können Signale durch Strommodulation
übertragen werden.
Auch CLIP !
Aus dieser Verfahrensweise kann man entnehmen, daß der SLIC zum
Umsetzen von Informationen unbedingt einen ohm´schen Widerstand braucht.
Der muss midestens so klein sein, damit die Schleife erkannt werden kann
und so groß sein, damit eine Stromänderung eine ausreichen große
Spannungsänderung hervorruft um von Empfänger korrekt verarbeitet
zu werden (zB bei Sprache: damit es laut genug ist :-).
Wo "hängts" ?
Man könnte jetzt meinen, einen Widerstand parallel zum Telefon anschliessen
zu können, der mit seinem Wert noch keinen Schleife erkennen lässt
(damit die Anlage nicht denkt daß der Hörer abgenommen wurde)
aber bereits einen Spannungsabfall verursacht. Nun, das scheint aber nicht
zu funktionieren solange die Schleife nicht erkannt wird.
Wählt man einen Widerstand der die Schleife erkennen lässt,
registriert das die Speed Dragon als abgenommenen Hörer und verhält
sich dementsprechend. Die Folge ist: der Anschluß wird für den
Anrufer als besetzt gemeldet. Aber, genau auf diese Weise kann man mit
der unveränderten Hardware experimentell und ohne jede Gefahr für
das Gerät eine CLIP Message absenden.
Wie kann ich experimentell eine CLIP Message generieren ?
Wenn man die
Monitor-Schnittstelle (die eigentlich
nur für Servicezwecke gedacht ist) nicht angeschlossen hat, sollte
man zunächst dessen Ausgaben auf die serielle Schnittstelle umlenken:
at&hm"uart s 0"
Die Speed Dragon merkt sich diese Einstellung und sie bleibt dadurch ausschaltfest.
Nach dem erfolgreichen Umbau sollte diese Einstellung rückgängig
gemacht werden, der Befehl dazu ist weiter untern.
Jetzt, nimmt man einen Widerstand der die Schleife erkännen
lässt (zB: 600 Ohm) und schliesst ihn paralell zu a/b-Leitung, lässt
den Hörer aufgelegt und gibt im System Monitor einen Befehl zum Versenden
einer CLIP Message ein. Die Syntax diesen Befehls lautet:
clip send <1|2|3> [t] <s> Nachricht s [des Typs t] an einen der a/b-Port send;
Leerzeichen in <s> muessen durch "_" ersetzt werden!
Wobei: Typ 1 für "Datum/Zeit" und Typ 2 für "Calling line" stehen.
Die Befehlsyntax bezieht sich auf den Hardwareanschluss des Monitors,
kann aber auch über die reguläre serielle Schnittstelle übermittelt
werden. Folgender Befehl:
at&hm"clip send 1 2 12345678"
sendet die Nummer "12345678" an das am 1-en Port angeschlossenen Telefon.
Der hörer muss natürlich aufgelegt sein. Das Telefon klingelt
jetzt paar mal und nach dem ersten Klingelzeichen müsste die Nachricht
auf dem Display des Telefons erscheinen (vorausgesetzt das Telefon ist
CLIP fähig).
Die Hardwarekennnung
Die Firmware erkennt anhand der Hardware um was für ein Gerät
es sich handelt, so daß dem entsprechende Routinen gar nicht erst
aktiviert und bestimmte Kommandos nicht angenommen werden. Das würde
auch das Verhalten der Speed Dragon erklären wenn man versucht mit
dem AT Kommando das CLIP Feature für ein Port zu aktivieren, zB:
at&hp"9956/1=1"
Hierauf bekommt man als Antwort:
9956/1=?:?
Normalerweise müsste hinter dem Doppelpunkt ein Wert 0 oder 1 stehen,
das Fragezeichen deutet auf einen ungültigen Befehl hin. Einer der
Anhaltspunkte ist die Hardwarekennung und das Hardwarelayout, auslesbar
über at&hm"clip status":
Ausgaben der Speed Dragon:
Task-ID: 0x00000006
hardware_kennung : 0x00000080
hardware_layout : 0x00000004 LAYOUT_HAT
fsk_flag : 0x00000000
&CONNECTION_START: 0x0106DFAC
Ausgaben der Power Dragon:
Task-ID: 0x00000006
hardware_kennung : 0x00000040
hardware_layout : 0x00000005 LAYOUT_5
fsk_flag : 0x00000000
&CONNECTION_START: 0x0106E394
Die Unterschiede sind fett gekennzeichnet. Diese Kennung wird durch eine
äußere Beschaltung des Prozessors definiert und von der Software
ausgewertet.
Vielen Dank an Carsten
Rohde für die ClipStatus-Ausgaben und das Bild von der Platine
der Power Dragon !
Beim Vergleich beider Platinen fallen gleich Sachen auf. Ob es sich dabei
um eine nötige Hardwareanpassung für CLIP oder eine Schaltungsvereinfachung
handelt kann man nur mutmassen. Eines scheint jedoch keine Schaltungsvereinfachung
zu sein: ein 10kOhm Widerstand unterhalb des Prozessors, bei der Speed
Dragon sitzt er an der dritten Stelle von rechts und in der Power Dragon
an der ersten:
Nach dem Umlöten des Widerstandes und Hochfahren der Anlage stellt
sich heraus, daß die Speed Dragon jetzt tatsächlich die CLIP
Befehle annimmt und korrekt verarbeitet. Ein CLIP Status liefert diesmal
folgende Informationen:
ati1
Speed Dragon
OK
at&hm"uart s 1"
OK
at&hm"clip status"
> CLIP-Monitor
Task-ID: 0x00000006
hardware_kennung : 0x00000040
hardware_layout : 0x00000005 LAYOUT_5
fsk_flag : 0x00000001
&CONNECTION_START: 0x0106DFAC
OK
Also tatsächlich ! Dieser Wiederstand lässt der Software eine
andere (CLIP-fähige) Hardware vortäuschen !
Der Befehl:
at&hp"9956/1=1"
liefert uns diesmal:
9956/1=1:1
als Antwort, damit wurde CLIP für den ersten Port erfolgreich aktiviert.
Damit wäre die Software ausgetrickst.
Aber leider funktioniert an so geänderten Speed Dragon das angeschlossene
Telefon nicht mehr. Nach dem Abheben ist das Freizeichen-Signal kurz zu
hören und verstummt nach ca. einer halben Sekunde wieder. Wählversuche
sind erfolglos.
Dieses Verhalten lässt auf die geänderte Auswertung der Schleifenerkennung
der analogen Ports schliessen.
Korrektur der loop detect-Auswertung
Bei der Speed Dragon wird das LD
(loop detect) Signal vom SLIC durch
einen analogen CMOS Schalter
74HC4066 invertiert und an den Prozessor
weitergeleitet. Bei der Power Dragon wurden diese ICs weggelassen, dieses
lässt eine Vermutung aufkommen, daß dort das LD Signal direkt
ausgewertet wird.
Weitere Messungen mit dem Scope bestätigen die Mutmaßungen:
wenn der Hörer aufgelegt ist ist ein Freizeichen am Eingang des SLICs
zu messen, wenn man den Hörer abhebt verschwindet es, also genau umgekehrt
wie es eigentlich sein sollte.
Um die Invertierung zu beseitigen müssen leider 3 Leiterbahnen
durchgetrennt werden (siehe Bild). Danach sind rot eingezeichnete Verbindungen
mit einem dünnen und isoliertem Draht zu machen.
Anmerkung: Leider gibt es keine sinnvolle Alternative zu, Trennen
der Leiterbahnen, denn die Leiterbahnen sind unter den 4066ern verzweigt
und mit anderen Teilen verbunden. Ein Beinchen des Prozessors anzuheben
erschien gefählrlicher als die Leiterbahn zu durchtrennen. Ein abgebrochenes
Beichen macht den Prozessoraustausch unumgänglich, getrennte Leiterbahnen
dagegen lassen sich relativ leicht flicken.
ACHTUNG: bei der Speed Dragon wurde eine Multilayer Platine verwendet,
dh. es gibt mehrere Lagen von Leiterbahnen getrennt mit einer Isolierschicht
übereinander. Eine zu tiefe Risse könnte evtl. dadrunter liegende
Verbindungen beschädigen. Am besten man nimmt eine sehr spitze Reißnadel
(kein Messer !) und setzt sie so flach wie möglich an.
Für diesen kritischen Schritt gibt es
hier
noch mal ein größeres Foto mit der durchgeführten Änderung.
Damit wäre die Anpassung der Hardware an die Software vollzogen.
Die Anlage dürfte sich jetzt wie gewohnt verhalten mit dem einem Unterschied,
daß sie ab jetzt auch CLIP Befehle verarbeiten kann. Damit wäre
die Grundvoraussetzung für die CLIP-Erweiterung geschaffen. Nun kann
man sich langsam Gedanken über die CLIP-Schaltung machen.
CLIP Steuersignal
Wie bereits oben erwähnt wird das CLIP Signal zwischen den beiden
Klingelzeichen übertragen. Das muss natürlich genau synchronisiert
werden. Hagenuk hat in weiser Voraussicht das Signal bereits in der Speed
Dragon vorgesehen (ein dickes Lob an die Entwickler !). Dieses Steuersignal
lässt sich manuell vom Monitor aus mit dem Kommando "clip amp" beinflussen:
at&hm"clip > > > CLIP-Monitor
Verfuegbare CLIP-Befehle:
clip help Diese Hilfe
clip hilfe Diese Hilfe
clip status verschiedene Statusinformationen
clip send <1|2|3> alte Nachricht an einen der a/b-Ports senden
clip send <1|2|3> [t] <s> Nachricht s [des Typs t] an einen der a/b-Port send;
Leerzeichen in <s> muessen durch "_" ersetzt werden!
clip amp <0|1> Verstaerkung und Schleifenstrom-Bypass setzen
clip tone <1|2|3> <0|1> Dauerton an a/b-Port schalten
OK
Beim Ausführen der entsprechenden Kommandos wird das Signal sogar
beim Namen genannt:
at&hm"clip amp 1"
> CLIP-Monitor
CLIP AMP: /CID_TLNx_ON auf EINS gesetzt
OK
at&hm"clip amp 0"
> CLIP-Monitor
CLIP AMP: /CID_TLNx_ON auf NULL gesetzt
OK
Das kleine "
x" im Namen bedeutet, daß mit dem Befehl alle
3 Ports geschaltet werden. Ein mehrmaliges Ein- und Ausschalten der Steuersignale,
einige Meßversuche rum um den Prozessor sowie paar CLIP-Send-Befehle
helfen sehr schnell die Anschlußstellen für die
/CID_TLNx_ON
Signale ausfindig zu machen. Es sind drei von den über dem Prozessor
angeordneten Testpads:
Für den
Port 1 ist das Signal:
/CID_TLN1_ON, für
den
Port 2 das Signal
/CID_TLN2_ON und für den
Port
3 dementsprechend
/CID_TLN3_ON zuständig. Diese Signale
können jetzt dazu benutzt werden um Schaltungen zu steuern, die temporäre
Anpassungen mit Hilfe eines Relais schalten.
Die Schaltung
Wie bereits oben erwähnt, liegt an der a/b Leitung die maximal erreichbare
Spannung von 22V. In diesem Zustand lassen sich aber keine Informationen
aufmodulieren.
Um CLIP zu übermitteln, muß für die Zeit der Übertragung
eine ohm'sche Last dazugeschaltet werden. Das erreicht man für die
Zeit der CLIP-Übermittlung durch das überbrücken der Elko's,
die in jeweiligen den RC-Kombination zwischen der Leitungen
La
und
Lb geschaltet sind. Die Elkos sind unten
im Bild mit "
Elko" beschriftet und deren Polarität gekennzeichnet.
Durch die Überbrückung der Elkos durch die zusätzlichen
Relais, wird ein ohm'scher Widerstand mit einem Wert von ca. 1kOhm (siehe
SLIC Datenblatt: "Application circuit", die Werte sind mit der Speed Dragon
durchaus
vergleichbar) auf die a/b-Leitung geschaltet. Der Spannungsabfall der sich
an diesem Widerstand einstellt, reicht in der Regel noch nicht aus um aufgrund
der Strom-Modulation eine hinreichend hohe Spannungsänderung (Signalamplitude)
für die Übertragung der CLIP-Information zu verursachen. Um dieses
Manko zu beseitigen muß der Schleifenstrom kurzfristig für die
CLIP-Übertragung angehoben werden. Das erreicht man durch die Erhöhung
des Widerstandswertes
Rset (am Pin 3 des SLIC).
Aus dem Grund werden die
3 Rset Widerstände
vorerst entfernt und später in der Schaltung durch andere ersetzt:
Bei der Speed Dragon hat der Widerstand
Rset
den Wert von 110k.
Für die richtige Stromverstärkung für CLIP-Funktionalität
braucht man aber ca 250k-300k. Also nimmt man einen 110kOhm Widerstand
und lässt einen weiteren Widerstand von 140k-190k in Reihe dazu schalten.
Der zusätzliche Widerstand wird im Normalfall (wenn keine CLIP-Message
geschickt wird) durch ein Relais überbrückt.
Zuallerletzt kommt jetzt die Schaltung selbst, hierbei handelt es sich
um eine einfache Relais-Schalterstufe mit einem handelsüblichen PNP-Transistor
um das low-aktive Steuersignal zu verarbeiten:
Der Aufbau
Die Schaltung muß natürlich je für ein Port gebaut werden.
/CID_TLNx_ON wurde bereits weiter oben erwähnt (siehe "CLIP
Steuersignal") und dessen Anschlußstelle ist ebenfalls dort auf einem
Bild zu finden. Die
Masse und
+5V können aus den unteren
Pads entnommen werden (am Rand der Platine),
SLIC Pin 3 kann direkt
am Pin 3 angelötet werden oder an der oberen Anschlußstelle
des ausgelöteten Widerstands
Rset (diese
Anschlußstelle ist auf dem Bild rot ausgefüllt dargestellt).
Der entfernte
Rset, wird durch den
R3
ersetzt, der mit dem Relais in der CLIP-Betriebsart um den
R2 erweitert
wird.
Der Widerstand
R4 hat nur die Aufgabe den
Elko sanft
zu entladen und wodurch er hohe Ströme in den Schaltkontakten des
Relais verhindert. Diode
D1 hat eine Schutzfunktion und soll den
Transistor vor zu hohen Spannungsspitzen schützen, die im Ausschaltmoment
des Relais entstehen können.
Elko+ und
Elko- sind die
auf dem Bild gekennzeichneten Anschlüsse.
Vorsicht: die Anordnung der Beschaltung und der Telefonbuchsen stimmen
nicht überein. Die ICs, Relais und der "Kleinkram" ist spiegelverkehrt
angeordnet (siehe Bild mit den Widerständen). Die Portzuweisung ist
dort vermerkt.
Die Schaltung kann ohne weiteres auf einer Lochrasterplatine aufgebaut
werden und im Gehäuse der Speed Dragon Anlage platz finden. Als
Relais
wurde ein Mikrorelais (ist schön leise) mit einer Schaltspannung von
5V von OMRON mit der Bezeichnung G6K-2P verwendet (zu bekommen bei
Reichelt
Elektronik Best. Nr: "
G6K-2P 5V"). Vorsicht, die Spule im Relais
ist gepolt, dh. sie erfordert eine richtig gepolte Schaltspannung. Falls
man ein anderes Relais verwenden möchte, ist auf die Schaltspannung
und auf den Spulenwiderstand zu achten, denn das Netzteil der Speed Dragon
ist so schon sehr knapp bemessen.
Für Hobby-Bastler die sich die Platine lieber selber ätzen
möchten gibt es jetzt die Eagle Dateien (erstellt mit
Eagle 3.55r3
Evaluation Version für Linux) mit dem Schaltplan sowie eine fertig
geroutete Platine:
Das Platinenlayout kann mit Hilfe des CAM-Prozessors von Eagle auf
einem der unterstützten Geräte auf Folie ausgedruckt werden.
So sieht dann die fertig aufgebaute Schaltung aus:
Die jenigen, die noch kein Eagle haben, können den sich eine Evalutation
Version direkt vom Hersteller CadSoft
runterladen, sie ist kostenlos und auf eine halbe Euro-Platine beschränkt.
Wenn man sonst gerne Platinenlayouts entwickelt, ist dieses Programm sehr
empfehlenswert. Die SuSE Linux (IMHO ab Ver. 6.2) beinhaltet bereits
Eagle 3.55 für Linux und braucht nicht extra aus dem Internet gezogen
werden.
CLIP einschalten
So, nach dem die Hardware fertig umgebaut wurde, dürfen wir natürlich
nicht vergessen die CLIP Funktionen zu aktivieren. Dies kann auf 2 Weisen
geschehen: unter Windows mit der Einrichtsoftware ver 3.20b oder unter
jedem anderen Bestriebssystem mit einem Terminalprogramm TELIX (DOS), ZOC
(OS/2), MINICOM (Linux), NTERM (Amiga) u.ä. bewerkstelligen. Da die
Speed Dragon Anlage kein Autobauding kann, muß die Schnittstellengeschwindigkeit
auf die der Speed Dragon eingestellt werden. Dann müssen folgende
Befehle eingegeben werden:
| Port |
CLIP ein |
CLIP aus |
| 1 |
at&hp"9956/1=1" |
at&hp"9956/1=0" |
| 2 |
at&hp"9956/2=1" |
at&hp"9956/2=0" |
| 3 |
at&hp"9956/3=1" |
at&hp"9956/3=0" |
Damit die Befehle korrekt verarbeitet werden ist die Firmware 3.20 zwingend
notwendig !
So, das wars ! Viel Spaß beim CLIP'en !
Bemerkungen
Umbau:
Die Durchführung erfordert Fingerspitzengefühl, SMD Erfahrung
ist sehr von Vorteil jedoch nicht zwingend notwendig. Es empfielt sich
vorher auf einer anderen Platine (zB eine alte Computersteckkarte) zu üben
und dort mal paar Widerstände auszulöten. Eine besondere Sorgfalt
ist in der Hinsicht auf die IC Anschlüsse geboten, dort kann man mit
einem kleinen Lötzinnkleks sehr schnell ein Kurzschluß verursachen,
falls es dennoch passieren sollte, kann man den mit einer Auslötlitze
und dann mit einer feinen Nadel entfernen (Nadel zwischen die kurzgeschlossene
Beinchen reinstecken und vorsichtig rausziehen). Auch bei Leiterbahnen
sollte man vorsichtig sein, die lösen sich sehr schnell bei zu hoher
Hitze vom Trägermaterial, dh. mit anderen Worten: nicht zulange auf
einer Stelle rumbraten ! :-)
Als Lötwerkzeug eignet sich am besten ein SMD Lötkolben mit
2 Spitzen, obwohl die aufgeführten Arbeiten auch mit einem normalen
Lötkolben von Weller mit einer feinen Spitze und einer Auslötlitze
durgeführt wurde ohne etwas zu zerstören (sogar die SMD Widerstände
sind intakt geblieben), obwohl es die riskantere Methode war !
Firmware:
Die umgebaute Speed Dragon kann erst ab der
Firmware 3.20 betrieben werden. Es gibt jedoch eine Einschränkung.
Die CLIP Funktionen lassen sich nur mit der Firmware 3.20 ein- und ausschalten.
Die nachfolgenden Versionen (3.23, 3.24 und 3.27) lassen bei der modifizierten
Speed Dragon keine CLIP Konfigurationsbefehle zu, funktionieren aber mit
den unter 3.20er Firmware vorgenommenen Einstellungen einwandfrei (dh.
die Rufnummern werden weiterhin übermittelt).
Hier muss abgewogen werden wie oft man seine
Einstellungen ändert und dementsprechend die Firmware auswählen.
Trotzdem versuche ich weiterhin nach einer Lösung
zu suchen.
Lautes Brummen wenn's Klingelt
Wenn die Wechselspannung an die a/b Leitung geschaltet und das Telefon
in diesem Augenblick abgenommen wird, ertönt ein lautes 50Hz-Brummen
im Hörer, erst wenn die Klingelphase vorbei ist wird die Schleife
erkannt. Das ist der Preis dafür, daß die 4066-Schalter überbrückt
wurden. Eine zusätzliche Invertierung des Signalweges (Vorsicht andere
Anschlusspunkte!) behebt dieses Problem. Über eine SMD Platine wird
ebenfalls nachgedacht evtl. inkl Port-Expander (3 x AwaDo-ähnliche
Umschalter für die Ports).
Aufgrund vieler Anfragen, hier noch mal die Korrektur:
Die Verbindungen, die nach der Leiterbahndurchtrennung
gemacht werden, müssen nicht wie im Bild weiter oben dargestellt sondern,
nach zusätzlicher Invertierung (zB ein NPN Transistor und 2 Widerstände)
an die Anschlussstellen Richtung CPU gemacht werden.
- für den Port 1: Pin 8 oder 2 vom rechten
IC -----> Inverter -------> Prozessor Pin 16
- für den Port 2: Pin 3 oder 11 des rechten
ICs -----> Inverter -------> Prozessor Pin 15
- und für den Port 3: Pin 4 oder 2 des
linken ICs -----> Inverter ------> Prozessor Pin 14
Als Inverter lässt sich ein dementsprechendes
Logic-Ic aus der 74er Reihe oder eine einfache Transistorschaltung verwenden
(BC547, 4,7k Basis-R und 10k Pullup):
Es ist geplannt, demnächst diese Änderung
inkl. Platine auf dieser Seite zu berücksichtigen.
ACHTUNG: alle Angaben wie
immer ohne Gewähr ! Anwendung auf eigene Gefahr !!!!
Letzte Änderung 03.03.2002